Regeln, Grenzen, Disziplin, Kontinuität, Struktur, Pläne. Wenn ich diese Worte schon höre stellt es mir die Nackenhaare auf. Ich bin eben ein Freigeist. Das Problem, das ich mit diesen Aspekten habe – bzw. hatte – ist, dass ich sie nie als Bereicherung, sondern als Einschränkung empfand. Meine Wahrnehmung sah so aus:

  • Grenzen schränken mich ein.
  • Regeln verbieten mir etwas.
  • Disziplin tut weh und zwingt mich weiterzumachen.
  • Struktur macht mich zum kleinen Rädchen.
  • Pläne nageln mich fest und machen mich unbeweglich.

Es ist kein Wunder, dass Disziplin einen negativen Beigeschmack hat.

Ganz gleich wohin ich schaue – in meiner Kindheit, meiner Pubertät, meinem früheren Angestellten-Leben – überall wurden diese Dinge benutzt, um mich zu etwas zu bewegen, was ich nicht tun wollte und zu etwas zu machen, was ich nicht sein wollte.

Was soll daran bitte gut sein?

„Man darf hier nicht durchgehen. Du musst durchhalten, auch wenn du nicht mehr willst. Du darfst nicht aus der Reihe tanzen. Das muss man so machen, weil ich es sage. Das ist ein Gebot, das muss man eben befolgen. Wir haben das aber eingeplant, also müssen wir es auch machen.“

Aussagen wie diese kennen wir doch alle. Kein Wunder also, dass viele von uns Grenzen, Regeln und Co. so unsympathisch finden. Sie engen uns ein, vor allem, wenn sie fremdbestimmt sind oder wir kein Mitspracherecht haben. Nun könnte man sagen

„Is halt so. Es gibt Dinge, die muss man eben. Grenzen und Regeln sind wichtig, weil eine Gesellschaft sonst nicht funktioniert und Disziplin auch, weil vom Aufgeben ist noch niemand weit gekommen.“

Stimmt ja auch irgendwo. Aber die Abneigung, die sich – ganz tief im Inneren – einstellt, wenn wir genannte Aspekte schon in unserer jüngsten Kindheit so negativ erfahren, behindert sehr viele von uns im späteren Leben enorm.

Anstatt selbst, eigene Grenzen zu setzen, auch mal „nein“ zu sagen, unseren persönlichen Raum (der ja eigentlich erst entsteht, WEIL wir einen Rahmen drum herum machen) einzunehmen und auszufüllen, uns selbst kennen zu lernen und zu schauen, wo wir beginnen und wo wir aufhören, sind wir ständig damit beschäftigt, Grenzen anderer einzuhalten, sie nicht zu überschreiten, sie zu bewerten oder sie aus Trotz gar absichtlich zu missachten. In jedem Fall achten wir mehr auf andere als uns selbst. Schon wieder landen wir in der Fremdbestimmung.

Befolge Regeln, die dein Leben besser machen.

Auf lange Sicht natürlich.

Anstatt bei GUTEN Dingen dranzubleiben, weil sie für uns persönlich erfolgversprechend wären, hören wir auf, weil wir es können und uns endlich keiner mehr zwingt. Nur die Dinge, die wir (von anderen auferlegt) wirklich müssen, machen wir weiter. Schließlich können wir da ja nicht anders. Und schon wieder – Fremdbestimmung.

Und anstatt Pläne und Strukturen an neue Gegebenheiten anzupassen, damit sie weiterhin dienlich sind (denn das ist es, was Pläne und Strukturen eigentlich sein sollen, dienlich und nützlich), bleiben wir in alten Gewohnheiten stecken (weil wurde ja mal so festgelegt) und kommen im Leben, der Liebe, im Business, der Persönlichkeitsentwicklung – wo auch immer – einfach nicht voran. Heißt auch: Wir machen immer wieder dieselben Fehler.

Ich könnte unendlich viele Beispiele nennen, die verdeutlichen, wie nachhaltig schädlich es ist, dass wir unseren Kindern kontinuierlich Qualitäten wie Grenzen, Disziplin, Regeln etc. vermiesen, indem wir sie negativ behaften und sie zu UNSEREM Vorteil nutzen anstatt zu deren. Wir manipulieren anstatt frei zu machen und zwängen unsere Kinder in fremde, mindestens jedenfalls unsere eigenen Vorstellungen.

Die Vorstellung davon,

  • wie gute Menschen zu sein haben,
  • wie man sich anderen gegenüber verhält,
  • welche Eigenschaften wichtig sind für das spätere Leben und so weiter und so fort.

Ich behaupte also, dass wir uns selbst im späteren Leben oft allein deshalb im Weg stehen, weil wir Dinge, die uns eigentlich nutzen sollten, in unserer Kindheit so negativ erlebt haben, dass wir sie deshalb nicht zu unserem Vorteil nutzen KÖNNEN. Wie auch? Wie sollten wir etwas Gutes in zum Beispiel „Disziplin“ erkennen können, wenn sie früher nur dazu benutzt wurde, um uns dazu zu zwingen, Klavier zu lernen, obwohl wir gar nicht mehr wollten. Oder einen Beruf zu erlernen, der uns gar nicht entspricht?

Und hier kann ich endlich die Kurve kratzen zu meinem Thema hier auf mamamachtmehr.com. Business. Mit ein Grund, warum viele von uns noch nicht den Job, noch nicht das Business haben, das sie wollen ist der, dass wir viele Qualitäten noch nicht genutzt haben, um voranzukommen. Wir KONNTEN es schlichtweg nicht. Aber

Eigene Regeln zu definieren,

eigene Pläne zu schmieden bedeutet, selbst in die Verantwortung zu gehen und dein Leben in die Hand zu nehmen

Das muss nicht so bleiben

Du kannst beinahe jederzeit einen anderen Weg einschlagen. Zumindest kannst du jederzeit den ersten Schritt in einer andere Richtung machen. Du kannst beginnen, Regeln, Grenzen, Strukturen und Pläne zu erschaffen, die DIR dienlich sind und nicht ausschließlich anderen. Du musst die Grenzen anderer dabei nicht zwangsläufig überschreiten, nicht unbedingt nützliche Regeln brechen und auch nicht alle bisherigen Pläne sofort über den Haufen werfen.

Aber du kannst endlich in deine Kraft und deine Eigenverantwortung gehen und neu entscheiden bzw. selbst definieren.

Ich habe für mich neue Definitionen gefunden. Indem ich sie mir jeden Tag bewusst vor Augen führe, bringe ich meiner Wahrnehmung Schritt für Schritt bei, die folgenden Aspekte zu meinen Gunsten zu empfinden und zu nutzen…

  • Grenzen geben mir Raum für MICH und erschaffen einen Ort, an dem nur ich bin und ich mich frei entfalten kann.
  • Regeln geben mir Halt, wenn ich Unordnung im Kopf habe und nicht klar denken kann. Sie sind eine Art Anker.
  • Disziplin hilft mir dran zu bleiben und die verborgene Kräfte zu mobilisieren. Sie hilft mir, den einen Extra-Kilometer zu gehen, der den Unterschied ausmacht und mir anderen gegenüber einen entscheidenden Vorsprung verschafft.
  • Strukturen machen Dinge sichtbar, klar und verständlich. Auf Strukturen kann ich mich verlassen, sie geben mir deshalb Halt und Geborgenheit. Fühlt sich gut an, vor allem, wenn sich die Welt wieder einmal viel zu schnell dreht.
  • Pläne erleichtern mein Leben. Sie sind mein Sicherheitsnetz, in das ich mich fallen lassen kann. Wenn ich mich auf dem Drahtseil nicht mehr halten kann. Wenn meine Experimente nicht funktioniert haben. Wenn mir das Risiko doch zu groß wird. Dann treten die Pläne in Kraft und geben mir Zeit, um mich wieder zu ordnen.

Dass ich mittlerweile sogar Fan von Tages- und Wochenplänen bin und wie sehr sich unser Alltag dadurch vereinfacht und verbessert hat, erzähle ich dir ein andern Mal.


In diesem Sinne wünsche ich dir (und deinen Kindern), dass ihr euch entfalten könnt, Halt findet, dran bleibt und euer Leben leichter macht. Vor allem aber, dass ihr selbst bestimmt leben könnt.